SehnSucht
Kein Mensch ist mit Drogen glücklich geworden.
18/07/2024
Es ist vier Jahren, zehn Monaten, ein Tag und drei Stunden her, als mein Telefon klingelte.
Ich nahm nicht den Hörer ab, sondern den billigen Wein aus meiner Tasche. Das erste Glas trank ich nicht ganz, aber sehr schnell aus.
Dann rief ich zurück.
Er wird sterben. sagte der Anrufer.
Quatsch, erwiderte ich, das renkt sich wieder ein. Ich bekomme das schon hin.
Und dann sagte ich nichts mehr.
Er wird sterben. Die drei Worte tummelten sich noch kurz in der lauen Sommerbalkonluft. Jedes für sich hüpfte fast fröhlich allein vor sich hin. Bis sie sich diszipliniert wieder zum Satz formierten, dadurch schwer wurden und dann Schluck für Schluck und Wort für Wort in mein Hirn taumelten.
Bügeln muss ich unbedingt mal wieder denke ich und plane, danach noch die Schränke im Flur aufzuräumen.
Die zweite Flasche Billigwein in der Tasche verspricht mir Halt.
Aber dann sitze ich nur da. Sprechen kann ich nicht, nur rauchen. Und trinken. Beim letzten Glas der zweiten Billigweinflasche gucke ich mir den Himmel an. Der ist schön. Sehr sogar. Wie Watte. Wie in meinem Kopf.
01/07/2024
„Ob es besser wird, wenn es anders wird, weiß ich nicht. Dass es aber anders werden muss, wenn es besser werden soll, weiß ich.“
Da hat Georg Christoph Lichtenberg aber ganz schön recht, sage ich und schaue dich an.
Dein Mund verzieht sich spöttisch und nimmt dir deine Schönheit, deinen Glanz. Mir ist so übel in deiner Nähe. Ich verachte dich. Mich verabscheue ich aber so viel mehr. Weil ich dich so lange vier Jahre ausgehalten habe.
Komm! Ich beschütze dich! Halt dich an mir fest! So hast du mich gelockt und gerufen. Du, mein Retter. Wie schillernd wir waren, wie verwegen, wie stark.
Wie krank.
Ich will dich nicht mehr.
Deshalb schreibe ich nur noch die wenigen Zeilen für dich zu Ende, dann drehe ich mich um und gehe ganz langsam zur Tür hinaus. Mit leeren Händen. Weil du mir fast alles genommen hast.
Geblieben sind mir eine große Angst, viele Fragen, kein Geld, aber auch ein klitziges Fünkchen Hoffnung. Halleluja! Gut, dann suche ich jetzt mal meinen Weg. Den richtigen, den vertrauten.
Ich werde mich verlaufen, stolpern, hinfallen sogar. Na und. Das gehört dazu. Weil mein Wunsch wieder stark und schön zu sein, so gar nicht mit einem eisernen Willen erfüllt werden kann.
Sondern nur mit Verständnis, Liebe und echten weit offenen Armen.
So. Du kannst dich jetzt verpissen, du kranke, du zerstörerische SUCHT!
IM NEBEL
Hermann Hesse
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
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